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Nachruf zum Tode von Professor Karl Eduard Schneweis

K. E. Schneweis im Herbst 2010

Die Gesellschaft für Virologie betrauert den Tod von Professor Karl Eduard Schneweis (Bonn). Der 1925 in Koblenz Geborene gehörte der Gründergeneration der Medizinischen Virologie in Deutschland an. Nach seinem Medizinstudium in Bonn und Göttingen war er Assistenzarzt am Medizinaluntersuchungsamt Hannover und am Hygieneinstitut Hamburg. Am Max Planck Institut für Gewebezüchtung in Berlin-Dahlem erarbeitete er neue Zellkulturtechniken mit einem besonderen Augenmerk auf Histokompatibilitätsantigene. Ab 1959 baute er an der Universität Göttingen die virologische Diagnostik auf. Dabei gelang ihm die serologische Differenzierung von Herpes Simplex Viren und die erstmalige Unterscheidung der beiden menschlichen Simplex-Virustypen. Professor Schneweis kommt deshalb der herausragende Verdienst der Entdeckung des Herpes Simplex Virus Typ 2 zu.

Im Jahr 1968 wurde er nach Bonn an das damals von Henning Brandis geleitete Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie berufen. Die Universitätsklinik der damaligen Bundeshauptstadt bekam dadurch erstmals eine virologische Abteilung. In den 1970er Jahren etablierte er in Bonn eine leistungsfähige und hoch angesehene medizinische Virologie, deren Forschungstätigkeit das klinische Bild und die Behandlung von Herpesvirusinfektionen zum Hauptgegenstand hatte. In den 1980er Jahren wurde die klinische Virologie der HIV-Infektion zu einem weiteren Arbeitsfeld der Bonner Virologie. Das Labor von Professor Schneweis war unter den ersten Einrichtungen deutschlandweit, die eine lückenlose HIV-Diagnostik anbieten konnten. Die Therapiekontrolle beim Einsatz früher HIV-Medikamente erfolgte zunächst durch Zellkulturversuche und wurde später auf molekularbiologische Verfahren umgestellt.

Karl Eduard Schneweis war ein gefragtes Mitglieder vieler maßgeblicher Gremien, Arbeitsgruppen und Fachgesellschaften. Bis zu seinem Dienstende leitete er in Bonn das Nationale Referenzzentrum für Herpesviren. Er beriet Ministerien und Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und bildete als akademischer Lehrer Generationen von Studendierenden und Graduierten aus.

Wir verlieren mit Karl Eduard Schneweis einen liebenswürdigen und hochgeachteten Kollegen, Mentor und Freund.