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Die Gesellschaft für Virologie trauert um

Herrn Professor Dr. med. Hans Joachim Eggers


*26. Juli 1927 in Baumholder-Nahe, +05. Mai 2016 in Köln


prof_eggersHans Joachim Eggers war bis zu seiner Emeritierung 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Virologie der Universität zu Köln.

Hans Joachim Eggers war ein bedeutender Virologe "der ersten Stunde" in Deutschland. Bereits während seiner Tätigkeit in den Vereinigten Staaten gehörte er zu den Begründern der Forschung auf dem Gebiet der selektiven antiviralen Therapie (1963). Zahlreiche Publikationen zur antiviralen Chemotherapie und Resistenzbildung gingen aus diesen Arbeiten hervor, in denen auch die Hypothese formuliert wurde, dass zur Verminderung der Resistenzselektion die Kombination zweier Substanzen gegen unterschiedliche Zielstrukturen anzuwenden sei. Weiterhin gehen wesentliche grundlegende, erstmalig molekularbiologisch gewonnene Erkenntnisse zur RNA- und Proteinsynthese bei Picornaviren (insbesondere Polioviren), zu Pathogenitätsfaktoren und zur Entstehung des zytopathischen Effekts auf seine Forschungsergebnisse zurück. Als Virologe und Arzt hat er auch regelmäßig klinisch-virologische Fragestellungen bearbeitet. Die hohe internationale Anerkennung seiner Arbeiten findet ihren Ausdruck nicht zuletzt in der Tatsache, dass von seinen etwa 200 Publikationen 26 in den besten fachübergreifenden Journalen (Nature, Science, PNAS, J Exp Med, Lancet) erschienen sind.

Geboren in eine Pfarrersfamilie in Baumholder, studierte Hans Joachim Eggers nach dem Abitur in Sobernheim von 1947-1953 Medizin an den Universitäten Köln und Heidelberg. Seine wissenschaftliche Arbeit begann er in der Biochemie Köln als Doktorand von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Klenk. Die Liebe zur Virologie wurde bereits während seiner Arbeit an der Universitätsnervenklinik Köln (1953-1957) geweckt. Unterbrochen wurde diese erste Zeit in Köln durch einen Studienaufenthalt (Polio-Neutralisation) am Karolinska Institut (Prof. Dr. Sven Gard), Stockholm, und eine "Pflichtassistentenzeit" in Hamburg (klinische Bakteriologie und Serologie). Von 1957 bis 1959 war er als Stipendiat der Children´s Hospital Research Foundation in Cincinnati, Ohio, bei Prof. Dr. Albert B. Sabin und danach als Research Associate bei Prof. Dr. Frank L. Horsfall, Jr. und Prof. Dr. Igor Tamm am Rockefeller Institute, New York. Ebendort war er von 1961-1964 Assistant Professor. 1965 erfolgte die Rückkehr mit seiner Frau Gisela und den 3 Kindern Carsten, Jens und Susanne nach Deutschland, wo er von 1965-1966 Abteilungsleiter am MPI für Virusforschung in Tübingen war. 1966 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Virologie der Justus Liebig-Universität Gießen und 1972 dem Ruf auf den ebenfalls neu gegründeten Lehrstuhl für Virologie an der Universität zu Köln. Nach seiner Emeritierung war er Gastprofessor für Virologie am Institute for Molecular Virology in Madison, Wisconsin.

Hans Joachim Eggers war höchst aktives Gründungsmitglied und Ehrenmitglied unserer Gesellschaft und Mitglied zahlreicher weiterer wissenschaftlicher Gesellschaften, unter diesen auch Senatsmitglied der Leopoldina.

Jeder, der Prof. Eggers kannte, vor allem auch seine Schüler, schätzte ihn als hervorragenden Wissenschaftler, der dieser Berufung stets mit größter Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit folgte. Wir verlieren mit Hans Joachim Eggers aber auch einen hochgebildeten (Mozartexperte), liebenswerten Menschen und stets engagierten und diskussionsfreudigen Kollegen und Freund. Er bleibt in unserem Gedächtnis.

Die Trauerfeier ist am 21. Mai um 10.30 Uhr in der Trauerhalle des Friedhofes Melaten, Eingang Piusstraße, 50931 Köln. Anschließend ist die Beisetzung.

Thomas Mertens
Präsident der GfV