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Koreanisches MERS-Virus weist keine bedenkliche Mutation im Genom auf.

Die aktuelle Berichterstattung über den Ausbruch von MERS (Middle East respiratory syndrome) in Korea liefert ein weiteres Beispiel für die Unwägbarkeit von Ausbrüchen, die durch neuartige oder neu erkannte Viren ("Emerging Viruses") hervorgerufen werden. Die Gesellschaft für Virologie verfolgt das Geschehen zeitnah und hat Zugang zu Informationen durch die Weltgesundheitsorganisation und die lokal mit dem Ausbruch befassten Einrichtungen. Auf Grund der momentan verfügbaren Daten sehen wir keinen Anlass zur Änderung unserer Einschätzung der Gefahrenlage. Insbesondere hatten unsere Mitglieder Gelegenheit, die Genomsequenzen der derzeit analysierten Viren einzusehen und das epidemiologische Geschehen mit ähnlichen Ausbrüchen im Arabischen Raum zu vergleichen. Auf dieser Basis beinhaltet unsere derzeitige Einschätzung folgende Überlegungen:

Es liegen keine Veränderungen im Gen für das Oberflächenprotein des Virus vor, insbesondere im Abschnitt, der die Bindung an den zellulären Rezeptor bestimmt. Bei Änderungen der Übertragbarkeit würde man in erster Linie Veränderungen in diesem Gen erwarten.
Die Einordnung des Koreanischen Virus im Stammbaum der derzeit im Arabischen Raum zirkulierenden Viren ist unauffällig. Das koreanische Virus ist also keine genetisch neue Viruslinie, sondern vielmehr ein Teil der derzeit zirkulierenden Virusstämme im arabischen Raum.
Vielfältige epidemiologische Überlegungen sind als Erklärung für den großen Krankenhausausbruch in Korea hinreichend. Hierzu gehören unter anderem das in Korea etablierte System der Pflege von Patienten durch Angehörige und die verzögerte Diagnose des Indexfalls.

Die effiziente Verfolgung von Kontaktkreisen durch die Koreanischen Behörden und die zuletzt deutlich sichtbare Abnahme von Neuerkrankungen lassen hoffen, dass eine zeitnahe Unterbrechung des Ausbruchs in Korea gelingen wird. Unsere Mitglieder unterhalten wissenschaftliche Kooperationen mit Einrichtungen in Korea und gehören dem Beraterkreis der Weltgesundheitsorganisation an. Die Gesellschaft für Virologie wird bei Änderungen der derzeitigen Einschätzung die Öffentlichkeit informieren.
Professor Christian Drosten, MD
Director
Institute of Virology
University of Bonn Medical Centre

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