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Ein neuer Impfstoff kann Personen im Alter von 70 bis 96 Jahren effektiv gegen Herpes Zoster schützen. Dies ergaben 2 Studien an insgesamt mehr als 30.000 Senioren (1, 2). Durch diese Impfung, deren Zulassungsverfahren läuft, könnte daher künftig ein Großteil der durch Reaktivierung des Varizella Zoster Virus verursachten Erkrankungen bei älteren Personen vermieden werden. Dies würde eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu dem ersten und bisher einzigen zugelassenen Zoster Impfstoff darstellen.

Das Risiko, an Herpes Zoster und den damit verbundenen Komplikationen zu erkranken, steigt mit dem Alter. Etwa jeder fünfte Zoster Patient entwickelt eine postherpetische Neuralgie, wobei die Schmerzattacken in dem betroffenen Dermatom mehrere Jahre anhalten können (3). Klinische Studien belegen, dass 37% der über 60-Jährigen und 48% der über 70-Jährigen länger als ein Jahr unter rezidivierenden Schmerzattacken leiden. Die Möglichkeit zur Vorbeugung mittels speziell auf Senioren abgestimmter Impfstoffe ist daher dringend erforderlich. In der EU ist seit 2006 ein attenuierter Lebendimpfstoff (Zostavax®, Merck) zur Prophylaxe des Herpes Zoster und der postherpetischen Neuralgie verfügbar, der speziell für Personen ab dem 50. Lebensjahr zugelassen ist. Durch die Impfung wird die Inzidenz des Herpes Zoster um 51,1% und das Auftreten einer postherpetischen Neuralgie um 66,5% verringert (4). Die Schutzwirkung ist allerdings auf wenige Jahre beschränkt und nimmt mit zunehmendem Lebensalter von 69,8% in der Altersgruppe der 50-59-Jährigen auf 37,6% bei über 70-Jährigen ab (4-6). Da es sich um eine Lebendimpfung handelt, kann Zostavax® nicht bei immundefizienten Personen angewendet werden, die entweder an einer Erkrankung wie Leukämie, Lymphom oder dem erworbenen Immunschwächesyndrom leiden oder eine immunsuppressive Therapie erhalten und das größte Risiko für schwere Herpes Zoster Erkrankungen haben.

Der neu entwickelte Subunit Impfstoff (HZ/su; GlaxoSmithKline) enthält als Immunogen nur das rekombinante Oberfächenglykoprotein E des Varizella Zoster Virus. Die zweimalige Impfung reduziert die Inzidenz des Herpes Zoster um 90-97% und die Häufigkeit der postherpetischen Neuralgie um 89%. Das wurde in zwei Phase-3-Studien gezeigt. In der ersten Studie (ZOE 50; (ZOster Efficacy in adults aged 50 years and over; NCT01165177) an insgesamt 16.160 Personen erzielte HZ/su eine Schutzwirkung von 97,2% (1). Kürzlich wurden die Ergebnisse der zweiten Phase-3-Studie (ZOE 70; NCT01165229) veröffentlicht (2). Es wurden 13.900 Studienteilnehmer im Alter von 70 bis 96 Jahren eingeschlossen, die im Abstand von 2 Monaten jeweils eine Dosis des Impfstoffes oder eines Placebos erhielten. In der Nachbeobachtungszeit von 3,7 Jahren gab es in der HZ/su-geimpften Kohorte nur 23 Herpes Zoster Fälle, während in der Placebogruppe 223 Zoster Erkrankungen auftraten. Bemerkenswert ist, dass die Wirksamkeit im Unterschied zu dem Lebendimpfstoff im Alter nicht nachlässt. Die Schutzrate war mit 89,1% in den über 80-Jährigen genauso gut wie jene in der Gruppe der 70 bis 79-Jährigen, von denen 90,0% geschützt waren. In 88,8% verhinderte die Impfung das Auftreten einer postherpetischen Neuralgie.

Neben dem Glykoprotein E des Varizella Zoster Virus enthält HZ/su das Adjuvans AS01B. Dieses besteht aus Monophosphoryl-lipid A und QS-21 (Quillaja saponaria Molina), einem oberflächenaktiven Stoff aus dem südamerikanischen Seifenrindenbaum, der die CD4 T-Zell und humorale Immunantwort auf die Impfung verstärkt. Die starke Immunogenität geht mit einer relativ hohen Rate von Nebenwirkungen einher. 79% der Geimpften versus 29,5% in der Placebogruppe berichteten über Schmerzen oder Rötung an der Injektionsstelle, und bei 66,1% der Geimpften traten systemische Myalgien, Müdigkeit, Fieber oder Kopfschmerzen auf. Allerdings verschwanden die Beschwerden im Mittel nach 1 bis 3 Tagen (lokale Reaktionen an der Impfstelle) bzw. nach 1-2 Tagen (systemische Reaktionen) und sind vergleichsweise gering in Relation zu den Schmerzen eines Herpes Zoster. Schwere Erkrankungen und immun-mediierte Erkrankungen traten in HZ/su-Geimpften nicht häufiger auf als in der Placebogruppe. Personen, die bereits einmal einen Herpes Zoster hatten, wurden nicht in die Studie eingeschlossen, daher ist noch nicht bekannt, ob auch diese Personen von einer Impfung profitieren. Unklar ist auch, ob die Impfung bei Immunsupprimierten angewendet werden kann. Eine Reihe klinischer Studien untersucht derzeit die Schutzwirkung von HZ/su in verschiedenen Patientenkollektiven, wie Nierentransplantierten, Patienten mit soliden oder hämatologischen Tumoren und Patienten nach autologer Stammzelltransplantation. Der Nutzen des neuen Impfstoffes wird unter anderem davon abhängen, ob er auch Immunsupprimierte effektiv gegen Herpes Zoster schützt, und wie lange die Schutzwirkung insbesondere bei älteren Personen anhält. Derzeit ist der Impfstoff (vorgesehener Handelsname ShingrixTM) noch nicht verfügbar, GSK hat jedoch eine Zulassung bei der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) sowie bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) beantragt.

 

1.            Lal, H., A. L. Cunningham, et al. 2015. Efficacy of an Adjuvanted Herpes Zoster Subunit Vaccine in Older Adults. New Engl J Med 372: 2087-2096.

2.            Cunningham, A. L., H. Lal, et al. 2016. Efficacy of the Herpes Zoster Subunit Vaccine in Adults 70 Years of Age or Older. New Engl J Med 375: 1019-1032.

3.            Forbes, H. J., K. Bhaskaran, et al. 2016. Quantification of risk factors for postherpetic neuralgia in herpes zoster patients: A cohort study. Neurology 87: 94-102.

4.            Oxman, M. N., M. J. Levin, et al. 2005. A vaccine to prevent herpes zoster and postherpetic neuralgia in older adults. New Engl J Med 352: 2271-2284.

5.            Morrison, V. A., G. R. Johnson, et al. 2015. Long-term Persistence of Zoster Vaccine Efficacy. Clinical Infectious Diseases 60: 900-909.

6.            Tseng, H. F., R. Harpaz, et al. 2016. Declining Effectiveness of Herpes Zoster Vaccine in Adults Aged >= 60 Years. Journal of Infectious Diseases 213: 1872-1875.

 

Judith Aberle
Department für Virologie
Medizinische Universität Wien