in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V.

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Zum Tod von Professor Meinrad A. Koch (geboren 05. 04. 1930 in Engers, gestorben 16. 01. 2006 in Berlin).

Mit Betroffenheit haben wir vom Tod von Professor Dr. med.. Meinrad A. Koch erfahren, der über Jahrzehnte die Ausrichtung des Robert Koch-Instituts geprägt und die nationale Gesundheitspolitik mitgestaltet hat. Mit der Übernahme der Abteilung Virologie im Sommer des Jahres 1976 hat er vorausschauend gesundheitspolitisch relevante Themen wie die Gentechnik, deren Anwendungsmöglichkeiten und Risiken aufgegriffen und als Arbeitsschwerpunkte am Institut etabliert. Als Virologe standen für ihn Infektionskrankheiten im Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Interesses. Er initiierte bereits Ende der 70er Jahre die Forschung zu Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien am Robert Koch-Institut und erkannte sehr früh im Krankheitsbild AIDS eine Infektionskrankheit.

AIDS war für ihn nicht nur als Wissenschaftler und Leiter des 1988 eingerichteten AIDS-Zentrums am Bundesgesundheitsamt eine Herausforderung, vielmehr war er auch maßgeblich an der Gestaltung der nationalen AIDS-Politik beteiligt.

Ausgehend von dem Bedrohungspotenzial insbesondere dieser neuen Infektionskrankheiten legte er die Grundlagen für die Neugestaltung der Infektionsepidemiologie und die Überwachung von Infektionskrankheiten in Deutschland. Lange Jahre hat er die Impfprävention von Infektionskrankheiten im Rahmen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut und der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) mitgestaltet. Unter seiner Leitung wurde u. a. auch die Idee eines Epidemiologischen Bulletins für Deutschland entwickelt und umgesetzt. Die ersten Ausgaben des Epidemiologischen Bulletins entstanden noch unter seiner Aufsicht und Mitwirkung. Nach seinem Ausscheiden aus dem Institut im Jahr 1995 hat er noch im Ruhestand intensiv an der Ausgestaltung des Infektionsschutzgesetzes mitgearbeitet und seine umfangreichen Erfahrungen eingebracht.

Wir verlieren mit Professor Meinrad A. Koch einen engagierten, streitbaren Wissenschaftler, der über Jahrzehnte die Gesundheitspolitik sowie die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Gesundheitswissenschaften in Deutschland mitgeprägt hat. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.