in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V.

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Am 7. Juni 2005 verstarb Herr Prof. Dr. Karl-Otto Habermehl. Er war Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Laboratoriumsmedizin. Nach einem Ruf  als Direktor an das New York State Department of Health errichteten die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Jahr 1970 in Berlin das Institut für Experimentelle und Klinische Virologie (Forschungseinheit der DFG), welches er gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Diefenthal, seinem langjährigen Kollegen und Freund, leitete. Im Jahr 1975 wurde die Forschungseinheit nach seiner Berufung als ordentlicher Professor in die Freie Universität Berlin überführt. Er leitete das Institut bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997. Von 1977 - 1978 war er Dekan der Fakultät für Klinisch-Theoretische Medizin der Freien Universität Berlin.

Prof. Karl-Otto Habermehl gehört zu den ersten Wissenschaftlern, die nach dem Kriege die klinische Virologie in Deutschland begründeten. Seine Forschungsaktivitäten betrafen die virologische Grundlagenforschung und deren Bedeutung für die Aufklärung von Viruskrankheiten. Das breite Forschungsspektrum seiner Arbeitsgruppen erstreckte sich von der Aufklärung der Struktur und Pathogenitätsmechanismen des Poliovirus, und der Pseudorabiesviren bis hin zur Neuentwicklung und Automatisierung der Virusdiagnostik. In der HIV-Diagnostik war er frühzeitig und maßgeblich an der Entwicklung neuer Testmethoden und Bestätigungsteste beteiligt. In Berlin führte er erstmalig in Deutschland die Testung von Blutspendern auf HIV durch. Berlin war damit das erste Bundesland, das bereits 8 Monate vor der Zulassung der ersten kommerziellen Teste die HIV-Testung von Blutkonserven vornahm. Er führte international erstmalig die HIV-Laborberichtspflicht ein, welche Grundlage der heutigen anonymen Laborberichtspflicht bei HIV-Infektionen ist. Bei allem war das Ziel seiner Arbeiten stets, die Verbindung medizinischer Grundlagenforschung mit angewandter klinischer Tätigkeit herzustellen.

Seine interdisziplinäre wissenschaftliche Vorgehensweise prägte mehrere Generationen seiner Schüler, und er genoss hohe nationale und internationale Anerkennung. Er organisierte den Internationalen Kongress für Virologie im Jahr 1990 und den Welt-AIDS-Kongress in Berlin im Jahr 1993.

Er war Mitglied des Nationalen AIDS-Beirates der Bundesregierung und Vorstandsmitglied zahlreicher nationaler und internationaler Wissenschaftsorganisationen und Beratergremien der Regierung und der Weltgesundheitsorganisation. So war er Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (seit 1978),Vorsitzender der Berliner Medizinischen Gesellschaft (1981 - 1994), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (1981 - 1983), Vorsitzender der Sektion Antivirale Chemotherapie der Paul Ehrlich-Gesellschaft (1983), Kuratoriumsvorsitzender der Otto-Kuhn-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (seit 1976), Vorsitzender des Arbeitsausschusses für den Blutspendedienst im Deutschen Roten Kreuz Berlin (seit 1994) und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualitätssicherung im Medizinischen Laboratorium (seit 1995)

Karl-Otto Habermehl war Koordinator der Kooperationsvereinbarung zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zur Standardisierung der Virusdiagnostik (BMFT), Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und Mitglied des Wissenschaftlichen Rats der Dahlem Konferenzen der Freien Universität Berlin.

Karl-Otto Habermehl wurde vielfach durch Auszeichnungen geehrt. Er war Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland, des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, des Verdienstordens des Landes Berlin, der Verdienstmedaillen der sowjetischen und der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Verdienstmedaille der Freien Universität, der Ernst von Bergmann-Plakette und des Diploma con special honor der Universität Buenos Aires.

Anlässlich seines 75. Geburtstages im Januar 2002 wurde er zum Adjunct Professor im Range eines Full Professors von der University of Maryland, Baltimore, USA, berufen und von der European Society of Clinical Virology zum Ehrenmitglied ernannt.

Die Virologen werden sein ehrendes Angedenken bewahren.